Seminarglück
Ende Juni hatte ich das Glück, ein von der Bundesakademie für kulturelle Bildung organisiertes Schreibseminar mit Dora Heldt zu besuchen. Es war das erste Mal seit Jahren, dass ich selbst teilnahm, anstatt zu unterrichten. Es ging darum, wie man Figuren am Anfang eines Romans zeichnet, dass sie förmlich von der Seite springen.
Drei Worte: Es war super! Trotz Hitzedom, der auch mein Zimmer im 2. Stock der alten Mühle in Wolfenbüttel – eine tolle, alte Stadt – erreichte, traf ich auf viele talentierte AutorInnen, während Dora Heldt und Olaf Kutzmutz ein informatives, unterhaltendes und oft lustiges Seminar veranstalteten. Auch nach vielen Jahren des Schreibens, vielen erfolgreichen Romanen fuhr ich mit neuen Erfahrungen und einigen Aha-Momenten wieder ab.
Zum einen fand ich heraus, dass ich durchaus humorvoll schreiben kann. Die historischen Handlungswelten geben meinen Protagonisten oft wenig Anlass für lustige Gedanken und Humor. Aber in dieser kontemporären Figurenskizze lief mir das trotz 35 Grad im Zimmer gut von der Hand … Hier ist ein Beispiel:
Markus Specht fuhr sich mit der Hand durchs duschfeuchte Haar, wobei er die Stelle, wo sich ein lichter Fleck bildete, geflissentlich ignorierte. Er hatte sich bereits durch eine Testbatterie von Produkten gearbeitet, die alle einen vollen Schopf versprachen, doch bisher tat sich nichts. Er hoffte, dass seine Frau … Exfrau den Mund hielt. Das fehlte ihm noch, dass sie ihn im Tennisclub verpfiff. Nur weil er das Diamantenarmband, das er ihr zur Hochzeit geschenkt hatte, ins Pfandhaus gebracht hatte, hieß das noch lange nicht, dass sie seine Geheimnisse herausposaunen konnte.
Ein Segen, dass sie von der bevorstehenden Pleite nichts wusste. Er hatte zwanzig Jahre in dieses Arsenal von hochpreisigen Rennrädern im fünfstelligen Bereich gesteckt. Ging auch lange gut. Obwohl sich in diesem Kaff wenig verkaufte, hatten die Onlinebestellungen ihn über Wasser gehalten. Nur weil er den klitzekleinen Fehler gemacht hatte, den schrumpfenden Markt zu ignorieren und nicht rechtzeitig auf diese E-Bikes umzustellen, die inzwischen jedes Kind fuhr, war er in diese verzwickte Lage geraten.
Und dieser Bankmensch besaß die Unverschämtheit, ihn in aller Herrgottsfrühe herzubestellen –
»Markus, schon unterwegs?« Tom Bachmann, Erbe der Bachmann Immobilienkette, kam auf ihn zu. Er sah immer aus, als sei er dem Titelblatt von GQ entsprungen … weißes Poloshirt, Leinenhose und Sneakers ohne Socken, das dichte Haar perfekt mit Gel gestylt.
Markus warf einen nervösen Blick auf den Eingang der Commerzbank, bevor er sich auf Tom konzentrierte und mit einem Lächeln meinte, »Bekomme eine frühe Lieferung im Geschäft.«
»Ach ja?« Tom kam in der üblichen Wolke Sauvage von Dior vor Markus zum Stehen.
Tom war genauso alt, doch seine Haut war glatt und perfekt gebräunt. Nicht zu dunkel, gerade genug, um sein kantiges Kinn zu betonen. Wahrscheinlich ging er jeden Monat Botox spritzen, um die Stunden im Sonnenstudio auszugleichen. »Denk dran, heute Abend spielen die Herren.«
Mittelalterliches Abenteuer im Bergischen Land
Endlich ist auch die Novelle Rüdenherz über den armen Bauernsohn Wendel und seinen treuen Hundefreund Bo im Handel. Zumindest das eBuch ist da, das Paperback sollte in den nächsten Tagen folgen. Bin gespannt, wie es euch gefällt. Ich hoffe auch, dass ich zuzeiten ein paar Lesungen im bergischen Land veranstalten kann.
Rüdenherz basiert auf der bergischen Sage vom Rüdenstein, laut der ein tapferer Jagdhund (Rüde) im Jahr 1424 den Jungherzog Robert von Berg nach einem Jagdunfall rettete, in dem er zurück zur Burg Neuenberge (heutiges Schloss Burg) und Hilfe holte.
Den Rüdenstein und Schloss Burg habe ich in meiner Kindheit und Jugend oft besucht. Auch heute verirre ich mich ab und zu dorthin, vielleicht um in nostalgischen Gedanken über meine Kindheit und Familie zu schwelgen.

